Dienstag, 30. Juli 2013

Teilnehmer verdienen keine guten Trainings!

Vor einiger Zeit nahm ich als Teilnehmer an einem technischen Training teil. In meinen Augen war der Trainer zwar fachlich absolut fit, wies aber eher Berater- statt Trainerqualität auf:
  • es gab keinen kommunizierten Zeitplan
  • keine teilnehmergerechte Einführung ins Thema
  • Wissen wurde vorwiegend mit Powerpoint-Schlachten vermittelt, teilweise über eine Stunde am Stück. Dafür wurden Teilnehmer unsanft vom Trainer geweckt, sollten sie es gewagt haben, im kleinen, warmen Raum dabei kurz einzunicken.
  • Pausen wurden fallweise eingeführt, statt dann wenn es gehirntechnisch gut gewesen wäre
  • Feedbacks zum Trainingsstil wurden ignoriert
  • an zwei Tagen gab es nur wenige Teilnehmerarbeiten
  • Aufgaben wurden schlecht erklärt, dafür wurde man kritisch gefragt, warum man denn noch nicht arbeite
  • Aufgaben und Reviews zur Nachhaltigkeit fehlten fast völlig
Nun habe ich dann zufällig die Bewertung des Trainers gesehen (gemäß den Happysheets, ähh Feedbackbögen). Das Ergebnis: Die Zufriedenheit mit dem Trainingsstil und der Vermittlung der Inhalte lagen in allen Kategorien über 90%.

Ich war gelinde gesagt geschockt:
  • Gibt es keinen Qualitätsanspruch mehr an Trainer?
  • Muss man als Trainer inzwischen grottenschlecht sein, um entsprechend bewertet zu werden?
  • Oder wissen Teilnehmer gar nicht mehr, was ein gutes, professionelles, gehirngerecht aufgebautes Training ausmacht?

Kommentare:

  1. Hapysheets sind ein sehr passender Begriff.

    Jedoch würde doch eine präzisere Bewertung eines Trainers ein Wissen bei den Teilnehmern voraussetzen. Ein besseres, aber vermutlich immer noch sehr subjektiv geprägtes Feedback, würde nur dann zustande kommen, wenn man Grundkenntnisse Methodik und Didaktik hat. Darüber hinaus müsste der gefühlte Lernerfolg und das persönliche Wohlbefinden von der Trainerarbeit getrennt werden können.

    Letztlich wird man das bei einem Großteil eher ausschließen könne. Ist aber auch net schlimm.
    Der Dreh- und Angelpunkt ist auch meiner Sicht der Trainer. Zum einen darf man als Trainer die Happysheets halt auch nur unter diesem Gesichtspunkt lesen und sich nicht blind selber auf die Schultern klopfen. Echtes, valides und vor allem für den Trainer HILFREICHES Feedback kann nur durch einen Visitor/Coach geschehen.

    Grüßle
    Oli

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  2. Ich denke, dass wir hier sogar noch einen Schritt zurück tun müssen. Wir sollten uns die Auftraggeber der Trainings und deren Intension betrachten.
    Ich behaupte einfach, dass über 90% der von Unternehmen angebotenen/verordneten Trainings überhaupt nicht als Haupt-Intension haben, den Teilnehmern einen möglichst optimalen Wissens-, Erfahrungszuwachs zu ermöglichen. Vielmehr lautet das Ziel: „Geschult!“. Einfach nachlesen kann das jeder einzelne bei seinen Urkunden und Zertifikaten. Da steht nämlich meist: „Teilgenommen!“
    Es geht also gar nicht um Wissenstransfer sondern um Präsenz.
    Ich mache hierfür vorrangig drei Ursachen aus.
    1. „Un-smarte“ Ziele in den Abteilungen, die für die Mitarbeiterentwicklung verantwortlich sind. Nicht die Qualität der angebotenen Trainings sondern Menge, Bandbreite und Seminar-Katalog-Design sind ausschlaggebend.
    2. Fehlende Verantwortung für den Erfolg eines Trainings.
    3. Auswahl der Trainer nach Fachkompetenz vor Methodenkompetenz.
    Natürlich ist es schwer Erfolg von Trainings zu messen. Sicher ist es komplizierter Methodenkompetenz zu erkennen als Fachkompetenz aus der Vita zu lesen. Und es ist ganz sicher einfacher eine Mengenmessung als eine Qualitätsmessung vorzunehmen.
    Am Ende steht aber doch wieder die Frage: „Was wollen die Unternehmen wirklich?“
    Wenn sie wirklichen Wissenstransfer möchten, sollte ein Paradigmenwechsel auf Unternehmensseite stattfinden.
    Wenn das bisherige System ausreicht, dann weiter so. Es hält genug Leute in Lohn und Brot. Aber bitte keine Beschwerden über die Qualität der Trainings.

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